Christ sein, nicht zuletzt, weil mit der Geburt von Jesus Christus und durch seine Botschaft – mithin im Akt der Fleischwerdung Gottes – ein Emanzipationsprozess eingeleitet wurde, der auf die Befreiung der Menschen zielt, und zwar sowohl in ihrer sozialen als auch in ihrer spirituellen Existenz, in ihrer Eigenschaft als zunächst verlorene – weil todgeweihte und schuldbeladene Individuen – als auch in ihrer sozialen Dimension als unterdrückte und geknechtete Wesen. Diese Botschaft ist präsent sowohl in der Verkündigung Christi als auch in seinem Leben und Leiden selbst, in seinem „Engagement“ für die Welt und in der Art seines Todes. Christus ist den Leidensweg der Menschen gegangen, aber daraus ist nicht Zerstörung sondern gleichsam Hoffnung und Versprechen entstanden: Nein, ihr seit nicht verloren, denn ihr werdet wieder aufstehen, nein, das Elend wird nicht immer währen, die Befreiung ist möglich – das „Reich Gottes“ – auch bereits auf der Erde, eine Überwindung von Ausbeutung und Unterdrückung. Dies ist die epochale Botschaft, aus der sich objektiv nicht zuletzt die Aufklärung gespeist hat, auch wenn ihre Protagonisten – zeitweilig – den Atheismus predigten. Aufklärung wurde auch aus dem Christentum geboren, wahrscheinlich aus einer Verbindung mit dem republikanischen Elementen des antiken Griechenlands.
Sofern es die eine ungeteilte Wahrheit gibt, die in Gott enthalten ist und in dieser Wahrheit gleichsam alles enthalten ist, was über Naturgesetze, soziale Wirklichkeit, gesellschaftliche Entwicklung und die menschliche Psyche gesagt und erforscht werden kann, ist jeder menschliche Erkenntnisgewinn auch ein Schritt in Richtung auf die Wahrheit Gottes. So gesehen können durchaus auch die Werke von Marx, in ihrer Erkenntnisdimension, nicht als Ideologie, bis zu einem bestimmten Grad Ausdruck Heiligen Geistes sein. Die katholischen Akteure der Befreiungstheologie haben das wohl gesehen und es ist bedauerlich, dass ihre Botschaft nicht nachhaltiger Gehör gefunden hat.
Mit der Geburt Christi ist ein Licht in die Welt gekommen, das seit 2000 Jahren leuchtet und vielen Menschen Mut gemacht und Kraft gegeben hat, sich und die Verhältnisse zu verändern. Es in uns leuchten zu lassen, bedeutet Vertrauen zu haben in die Kraft der Liebe und Veränderung. Dies ist eine Herausforderung, der man sich wohl immer wieder neu stellen muss. Und es impliziert eine Form von Vertrauen, die eben nicht das sich stille und fromme Fügen ist, sondern gleichsam eine Form von Veränderung aus Liebe für die Menschen und die Welt. Christus gibt uns ein Beispiel davon. Wenn es uns gelingt, etwas davon in uns hineinzunehmen, dann können wir vielleicht eine aktive Gelassenheit entwickeln.
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